Gastros AG

Die Revolution am Büffettisch

Die Revolution am Büffettisch

Es ist ein typisch grauer November im Jahr 2007 und Timo Hafner, gerade 18 Jahre alt, hat sich jetzt offenbar in eine Sackgasse manövriert. Einiges hat er da schon in der Tasche, er war erfolgreich beim Deutschen Gründerpreis für Schüler und hat den angesehenen „Artur Fischer Erfinderpreis Baden-Württemberg“ gewonnen. Jetzt bekommt er erneut die Gelegenheit, bei der IENA, der Internationalen Erfindermesse in Nürnberg, sein Produkt vorzustellen: Ein innovatives Warmhaltesystem für Büffets, das mit Induktionselementen arbeitet.

Inzwischen hat Hafner gemeinsam mit einem Team des Fachbereichs Elektrotechnik der Hochschule Konstanz sogar einen vorzeigbaren Prototypen entwickelt, mit dem er die Messebesucher überzeugen will. Allein: Der junge Erfinder kann sich das Geld für die sieben Übernachtungen während der Erfindermesse nicht leisten – zumal alle bezahlbaren Unterkünfte ausgebucht sind.

„Ein wichtiger Grundsatz war für mich immer, dass ich für das, was ich vorhabe, kein Geld von meiner Familie annehme“, erklärt der heute 23-Jährige sein Dilemma. Was also tun? Aus der Not eine Tugend machen: Hafner ruft im Nürnberger Hilton-Hotel an, lässt sich von der unwilligen Sekretärin nicht abwimmeln und wird schließlich wie gewünscht zum Hoteldirekter durchgestellt.

Dem skizziert er seine für die Branche attraktive Erfindung und vereinbart einen Handel: Sieben Übernachtungen zum Jugendherbergspreis gegen Exklusivpräsentation des Warmhaltesystems für den Direktor und Küchenchef. „Ich sehe noch heute das Funkeln in den Augen des Küchenchefs vor mir“, erzählt der Konstanzer, den dieser Erfolg ebenso anspornt wie das uneingeschränkt positive Echo, das er bis dahin schon aus der Gastronomie- und Hotelleriebranche erhalten hat.

Es ist, als hätten alle nur darauf gewartet, dass endlich jemand kommt, um sie von den wenig formschönen Chafing-Dishes und von der Brennpaste zu befreien, die Hitze ausstrahlt, das Essen austrocknen lässt und immer wieder dazu führt, dass sich jemand die Finger verbrennt. „Auch mir ist das passiert“, erzählt Timo Hafner, „da habe ich überlegt, wie man das anders machen kann.“

Schon zu Zeiten seines Physik-Leistungskurses experimentierte er mit der Induktionstechnik und entwickelte das Grundkonzept für sein heute patentiertes „InductWarm-System“. Der aus der Not geborene Nürnberger Übernachtungsdeal wurde schließlich zum Beginn einer produktiven Partnerschaft. Denn nach einer gut anderhalbjährigen Entwicklungszeit, für die Hafner unter anderem eine Elektrofirma als Industriepartner ins Boot holte, ging das InductWarm-System 2009 im Hilton Nürnberg in eine erste Testphase unter Realbedingungen.

„Die Hotelgäste waren nicht informiert, wir haben uns im Hintergrund gehalten und alles sehr genau beobachtet“, erzählt Hafner. „In dieser Zeit konnten wir die Kinderkrankheiten beseitigen.“ Eine Herausforderung betraf die für den induktiven Effekt notwendige Beschichtung der Porzellanschalen, in denen die Speisen serviert werden. Diese Beschichtung muss auch unter wechselndem Temperatureinfluss bruchsicher sein.

Gemeinsam mit der Firma Bauscher, Weltmarktführer beim Hotelporzellan, fand sich eine Lösung, die inzwischen ebenfalls patentiert ist. Bis dahin gaben ausschließlich Stiftungen sowie Privatleute für Hafners Unternehmung Geld – nachdem sie der schwäbelnde Erfinder mit seinem unwiderstehlichen Gründer-Elan überzeugt hatte. So konnte er sich, ohne Investorendruck, eine nochmalige zwölfmonatige Testphase leisten und machte sich dann, mit einem „fertig entwickelten, rundum ausgetesteten Produkt“ auf den Weg „von der Projekt- in die Firmenstruktur“.

Dafür kam der Gewinn bei WECONOMY 2009 genau zur rechten Zeit: „Das Netzwerkwochenende war unglaublich eindrücklich und intensiv“, erzählt er. Die Ratschläge der anwesenden CEOs seien unbezahlbar gewesen. „Es gibt unter ihnen welche, an die ich mich bis heute wenden kann.“ Auf die Alumnitreffen – „immer wieder mit neuen spannenden Gründern!“ – freue er sich jedes Mal aufs Neue. Im Dezember 2010 gründete Hafner in der Schweiz die Gastros AG, über die er seitdem InductWarm-System vermarktet.

Seit 2010 sitzt er mit seinem Unternehmen im Technopark Zürich, einem unter Gründern sehr begehrten, stiftungsgeförderten Zentrum für Innovation und Technologietransfer. Für den kapitalintensiven Aufbau der Serienproduktion musste allerdings ein richtiger Investor her. „Kein Finanzhai, sondern jemand, der unseren Pioniergeist mitträgt“, formuliert Hafner seinen beharrlich verfolgten Anspruch.

In der Investorengruppe um die Thurgauer Unternehmer Rolf Weigele und Urs Spuhler fand er das Gesuchte. Unternehmerisch betrachtet ist Timo Hafner in der Pole Position angekommen. Was er jetzt vor sich hat, ist nichts weniger als die weltweite Revolution der gastronomischen Büffetkultur. „Unser Potenzial ist da, jetzt müssen wir es Schritt für Schritt strukturell auf den Boden bringen“, sagt er.

Wie gut Ästhetik und Funktionalität bei seinen innovativen Büffettischen zusammengehen, führt seine Firmenwebsite in Bild und Film vor: Weißes Porzellan steht da auf den unter transluzentem Sicherheitsglas verborgenen Induktionselementen. Deren Temperatur lässt sich per Fernbedienung einstellen. Auch die Farbe der Tische können die Kunden wählen. „Natürlich hat alles zwei Seiten“, gibt er unumwunden zu.

Fünf Jahre Projektarbeit ohne jedes Gehalt, dafür mit durchgearbeiteten Nächten liegen hinter ihm. Sein Wirtschaftsstudium, für das ihn ein Stipendium an die Hochschule St. Gallen in der Schweiz führte, hat er ziemlich vernachlässigt. „Jetzt stehen nur noch ein paar Prüfungen an“, beruhigt der umtriebige Jungunternehmer. Man darf gewiss sein, dass ihm trotz 14-Stunden-Arbeitstagen auch noch dieser Abschluss gelingen wird.

  • Was ist für Sie, nach der Entwicklung des Produkts, die größte Herausforderung in der Firmenentwicklung?

    Mit Sicherheit der Aufbau eines engagierten Teams, das die Werte unseres Unternehmens teilt: Pioniergeist, Wille zum Besserwerden sowie Loyalität und Integrität. Ich bin sehr glücklich, dass es uns inzwischen gelungen ist, zwei zentrale Positionen mit erfahrenen und weitsichtigen Managern zu besetzen: die des internationalen Verkaufsleiters mit Thomas Hofer und des Geschäftsführers mit Dr. Roger Bührer.

  • Wie meistern Sie die Internationalisierung?

    Wir sind bereit für den Weltmarkt, wir wissen auch, dass wir das Potenzial dafür haben. Jetzt gilt es, internationale Vertriebskanäle aufzubauen und dabei relativ schnell auf alle großen Kernmärkten – Europa, China, den USA und den arabischen Ländern – Fuß zu fassen.

  • Fürchten Sie Nachahmer?

    Gute Produkte werden immer imitiert, da hilft am Ende auch kein Patentschutz. Unser Anspruch ist, die gleiche Geschwindigkeit wie im Vertrieb auch in der Entwicklung zu haben – also immer einen Schritt voraus. Das entspricht unserer Vorstellung von Pioniergeist, das passt also.

Partner werden

Newsletter