ergobag GmbH

Weniger Last auf den Schultern

Weniger Last auf den Schultern

Mit der Schule beginnt der Ernst des Lebens, heißt es. Und viele ABC-Schützen fühlen sich vermutlich auch so, wenn sie früh morgens ihren großen Tornister aufsetzen, der je nach Länge des Schulwegs irgendwann ziemlich auf den Schultern drückt. Warum ist eigentlich noch niemand darauf gekommen, einen rückenfreundlicheren Ranzen zu entwickeln?

Diese Frage diskutierten Sven-Oliver Pink und Florian Michajlezko vor rund fünf Jahren auf einer Party mit einer befreundeten Physiotherapeutin. Sie wunderte sich darüber, dass die Trekking-Branche längst viel weiter ist: Bei jedem Standard-Rucksack sorgt heute ein zusätzlicher Gurt dafür, dass das Gewicht von den Schultern auf die viel belastungsfähigeren Becken verlagert wird. Die beiden Freunde ließ das Thema nicht los. Schon längst spielten sie mit dem Gedanken, ein Unternehmen zu gründen; für Pink wäre es noch nicht einmal das erste.

Zu der Zeit war er als Unternehmensberater tätig, aber nicht sehr glücklich in seinem Job. Michajlezko steckte noch in seinem BWL-Studium. Die beiden Wahl-Kölner recherchierten und fanden bald heraus: Einen Schulranzen nach dem Prinzip des Trekkingrucksacks gibt es auf dem deutschen Markt tatsächlich noch nicht.

Sie stellten aber auch fest: Eltern werden sofort hellhörig, wenn man ihnen von dieser Idee erzählt. Sie sind bereit, für gute Qualität Geld auszugeben, denn mit dem Schulstart beginnt für die Kinder ein wichtiger neuer Lebensabschnitt, bei dem möglichst alles passen soll. Diesen Elternanspruch im Kopf war für die beiden Partnern bald klar: „Wir produzieren selbst.“

Sie besuchten Outdoor-Messen und reisten nach Vietnam, um sich dort geeignete Hersteller näher anzusehen und auch deren Arbeitsbedingungen unter die Lupe zu nehmen. Nach etwa einem Jahr Vorarbeit war es soweit: Sie hielten die Prototypen der ersten Testserie in den Händen. Kurz entschlossen machte sich der heute 28-jährige Florian Michajlezko auf Verkaufstour und präsentierte seinem Partner eine unerwartet gute Bilanz: In nur drei Geschäften hatte er bereits 70 Schulrucksäcke verkauft.

Von da an ging es für die ergobag-Gründer nur noch aufwärts – mit allen Herausforderungen, die eine rasche Expansion mit sich bringt. Der Gewinn bei WECONOMY 2010 kam den beiden da gerade recht. „Der intensive Austausch mit hochkarätigen Managern beim Netzwerkwochenende war unbezahlbar“, findet der heute 32-jährige Sven-Oliver Pink: „Es hat mich beeindruckt, mit wie viel persönlichem Interesse sich die CEOs eingebracht und sehr präzise Fragen gestellt haben.“

Die Anerkennung, die sie als Gründer hier erfahren hätten, habe ihnen „enorm den Rücken gestärkt“. Als weiteres Plus verbuchen sie die Teilnahme am Mentoringprogramm der Wissensfabrik. Ein BASF-Manager begleitete sie über ein Jahr auf ihrem geschäftlichen Weg. Konsequent habe er mit ihnen die Zahlen gecheckt und sie sehr dabei unterstützt, ein schlüssiges Reporting für eine gute Kostenkontrolle aufzubauen.

Auch bei anderen Gründerwettbewerben heimsten die Jungunternehmer Preise ein und sie fanden einen Investor, der ihnen das nötige Kapital an die Hand gab, um die Ausweitung der Produktion zu ermöglichen. In der dritten Saison 2011/2012 verkaufte ergobag bereits 80.000 Schulrucksäcke – gut 20.000 mehr als ursprünglich im Business-Plan vorgesehen. 22 feste Mitarbeiter hat das Unternehmen heute, der Altersdurchschnitt ist niedrig.

Blickfang im Eingangsbereich der Firmenzentrale in Köln-Ehrenfeld ist eine Original-Schulgarderobe, die inzwischen gut gefüllt ist mit der stetig wachsenden Kollektion: Heute zählen neben dem Bestseller „ergobag“ auch der kleine „ergolino“ für Kindergartenkinder sowie der „satch“ für Kinder ab der 5. Klasse dazu.

Dieser verbindet das Ergonomie-Konzept von ergobag – bestehend unter anderem aus höhenverstellbarem Brustgurt, gepolsterten Beckengurt und einer flexiblen Anpassung der Rückenlänge – mit einem lässigen, teenietauglichen Design. Bei den Kindergarten- und Grundschulmodellen treffen die sogenannten „Kletties“, austauschbare Klettbilder zum Anheften an die Rucksäcke, den Geschmack der Zielgruppe.

Ein grundlegender Anspruch war den ergobag-Gründern von Anfang an die Nachhaltigkeit ihrer Produkte: ergobag verwendet Cyclepet-Stoffe, die zu 100 Prozent aus gebrauchten PET-Flaschen hergestellt werden. Auch auf die Einhaltung von Sozial- und Umweltstandards in der Lieferkette legen sie Wert. Teil des unternehmerischen Erfolgskonzepts ist zudem der direkte Draht zu ausgewählten Fachhändlern.

„Wir möchten gar nicht bei jedem Händler sein“, sagt Michajlezko. „Uns ist es wichtiger, dass unsere Produkte in guten Händen sind.“ Wer einen ergobag-Rucksack in sein Sortiment nehmen will, bekommt daher zunächst eine Schulung. Für die Zukunft haben sich die Jung-unternehmer einiges vorgenommen. Ihren Umsatz wollen sie um 100 Prozent steigern, ihren Marktanteil von derzeit fünf Prozent verdoppeln und im internationalen Raum vermehrt Fuß fassen.

„ergobag soll weltweit zum Synonym für Schultaschen werden“, lautet die anspruchsvolle Vision. Die Konkurrenz schläft indes nicht: Branchengerüchten zufolge planen zwei Ausrüsterfirmen selbst mit Schulrucksäcken an den Markt zu gehen.Dass erfolgreiche Gründer mit Nachahmern rechnen müssen, wissen Pink und Michajlezko aus vielen Gesprächen im Kontext der Wissensfabrik. Regelmäßig nutzen sie die Chance, sich auf Alumni-Treffen und dem Mitgliedertag mit anderen Gründern auszutauschen.

Inzwischen ist das Unternehmen selbst Mitglied der Wissensfabrik und will mit einer Schule in Köln eine Bildungspartnerschaft vereinbaren. „Wir haben uns für das Projekt ‚School2Start-up‘ entschieden und wollen einer Klasse beim Aufbau eines Schülerunternehmens zur Seite stehen“, erzählt Pink. Dieses soziale Engagement liegt ihnen am Herzen: „Wir wollen etwas von dem zurückgeben, was wir bekommen haben.“

  • Aus welcher Situation haben Sie am meisten gelernt?

    Es gibt viele Felder, auf denen wir immer noch jeden Tag lernen und bei denen jede getroffene Entscheidung Fortschritt bedeutet. Die lösungsorientierte Herangehensweise „Trial and error“ als Methode hat uns geholfen, neuen Herausforderungen selbstbewusst zu begegnen, nach ergobag-eigenen Lösungen zu suchen und dabei auch mit Fehlentscheidungen und Rückschlägen umzugehen.

  • Wie sind Sie mit dem schnellen Wachstum umgegangen?

    Natürlich hat uns das in der Organisationsentwickung in Zugzwang gebracht. Aber wir haben unsere Lehren aus den letzten Jahren gezogen und investiert – in mehr Personal, mehr Platz, gut ausgestattete Arbeitsplätze sowie eine bessere Logistik und IT. Dadurch sind wir für die weitere Expansion gerüstet.

  • Wie wollen Sie künftig die Märkte im Ausland erobern?

    Wir sind mit unseren Schulrucksäcken inzwischen in zehn Ländern vertreten und hören, dass es auch anderswo Bedarf gibt. Die Einführung in einem neuen Markt ist allerdings eine große kommunikative Herausforderung, die können wir nicht allein stemmen. Deswegen brauchen wir starke Vertriebspartner und werden uns genügend Zeit nehmen, die richtigen zu finden. Mit einem taiwanesischen Partner, der über 40 Fachgeschäfte besitzt, sind wir gerade handelseinig geworden.

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